Mythos „Hasenburg“ in Hartmannsdorf

Ein Weiler

Nun lässt die Riedbezeichnung „Hasenburg“, die auch heute noch in diversen Landkarten eingetragen ist, vermuten, dass es hier einmal eine Burg gegeben hat.

Ein Weiler
Ein Weiler – Image by Nanne Tiggelman from Pixabay

Der darunter liegende „Burgstall“ wird ebenfalls als Hinweis darauf interpretiert. Und von einzelnen Personen der urbanen Bevölkerung, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts geboren wurde, hört man von Kindheitserinnerungen an alte Mauern, die aus einer Wiese am Plateau oberhalb des Burgstalls entfernt wurden, als diese wieder im gesamten Umfang genutzt werden sollte. Realistisch ist, dass es sich um Reste alter Gebäude gehandelt hatte, vielleicht um jene von einem Wohnhaus, einem Stall, einem Wirtschaftsgebäude, nicht aber um eine Burg.

Dass sich die Bezeichnungen „Hasenburg“ und „Burgstall“ erhalten haben, lassen Freiraum zu Spekulationen, dass im Mittelalter eine Burg existiert hat. Sie könnte dem Verfall überlassen worden sein, wie das in dieser Zeit in ganz Europa häufig der Fall war. Burgen wurden aufgegeben, weil sie ihre strategische Bedeutung verloren hatten, die Besitzer verarmten oder sich eine Erhaltung einfach nicht rentierte. Da es sich in der Oststeiermark um Grenzgebiet handelt, das häufig von Kriegen mit Ungarn und Türken heimgesucht wurde, fielen den fremden Eroberern viele Burgen und Kirchen zum Opfer, die sie gnadenlos niederbrannten. Noch vorhandene Bestandteile wurden als Baumaterial für neue Gebäude wiederverwendet. Im Falle der Hasenburg kursieren Geschichten, dass die Steine in der Veste Riegersburg verbaut wurden, wofür es allerdings keine Belege gibt. Gegen die Theorie zu einer vermeintlichen „Hasenburg in Hartmannsdorf“ spricht, dass nichts Schriftliches auf ein Adelsgeschlecht der Hasenburger in der Steiermark hinweist. In keiner der historischen Aufzeichnungen über Burgen in Österreich und der über Jahrhunderte herrschenden Adelsgeschlechter taucht ein Hinweis auf eine Beziehung zu Hasenburgern auf.

Adelsgeschlechter mit dem Namen Hasenburger gab es in der Schweiz, in Deutschland, in Polen und in Böhmen. Ob es eventuell auch Verbindungen zu Hasenburger in Österreich gegeben hat, lässt sich heute nicht mehr feststellen. Historische Familienarchive wurden durch Kriege zerstört.

Im „Topographisch-statistisch-historischen Lexikon von Deutschland“ ist die Hasenburg in Markt Hartmannsdorf als Weiler[2] gelistet.  (vgl. Huhn E. D., 1845. In Topographisch-statistisch-historisches Lexikon von Deutschland (S. 1022). Berlin: Bibliographisches Institut). > Hasenburg, Österreich, Steiermark, Kreis Graz, Bez. Kornberg, Weiler in der Pfarrei Hartmannsdorf <. Der Weiler befand sich in unmittelbarer Nähe zum „Statzenhof“ und zum „Edelhof“, die heute in Besitz der Familien Fleischhacker und Hausleitner sind.

Möglich ist, dass die Benennung des Weilers auf einen Hasenburger zurückzuführen ist dessen Gut in einen Weiler zerschlagen wurde. Darauf weist ein im Freiberger Urbar im Jahr 1649 eingetragenes „Erbe des Hasenburger“ hin, und der am Zartl gelegene Ried Hasenburg, der bereits 1540 im Feistritzer Urbar auftaucht. (vgl. Kremshofer, Markt Hartmannsdorf, Geschichte und Geschichten, 1990).


[1] Franziszeischer Kataster: Entstehung 1810-1870; Benennung nach Kaiser Franz I.; Erster vollständiger, österreichischer Liegenschaftskataster mit allen Grundstücken des Kaisertums Österreich. [2] Weiler: Eine Ansiedlung aus wenigen Gehöften, die jedoch keine eigene Gemeinde bilden.

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