Am Kirchplatz von Markt Hartmannsdorf ist seit 1984 ein Taufstein platziert, der sich ursprünglich im Inneren der Kirche Hl. Radegundis befunden hat.
Skuril mutet an, dass dieses steinerne Taufbecken aus dem Spätmittelalter[1] bei Grabungsarbeiten in der Nähe der Kirche aus dem Erdreich zutage befördert wurde. Im Zuge der Neugestaltung des Kirchplatzes und der Renovierungsarbeiten am Johannes-Nepomuk-Bildstock, im Jahr 1984, hob Gottfried Sonnleitner, Baggerfahrer aus Widenwinkel, den Taufstein an der rückwärtigen Mauer des Bildstocks aus.
Der Monolit aus Riegersburger Basalt erhielt seine Form in der Zeit der Gotik, als die achteckige Form, ein Symbol der Auferstehung, die runde, romanische aus dem 10. bis 13. Jahrhundert ablöste. Eine realistische Erklärung für die Entfernung des Taufsteins steht im Zusammenhang mit einer Renovierung der Kirche, die mit dem Jahr 1727 begonnen wurde und nahezu einen Neubau des Gotteshauses hervorbrachte. Im absolutistisch regierten Jahrhundert schritt die Aufklärung[2] voran, das Spätbarock[3] war vor allem in der höfischen Welt und den Ballungszentren eingeläutet, und im Zuge dessen änderte sich auch der Taufstil. Die Kinder wurden nach und nach nicht mehr mit dem ganzen Körper in geweihtes Wasser getaucht. Im 18. Jahrhundert gab es dann auch Haustaufen und man ging dazu über nur wenig Wasser über den Kopf laufen zu lassen oder das Kind zu bespritzen. Mobile Taufbecken aus Bronze oder Kupfer, die in einen Ring auf Dreibeinständer gestellt wurden, waren ausreichend. Der Taufstein war obsolet und wurde aus der Kirche entfernt.

Nahaufnahme vom Taufstein am Kirchplatz in in Markt Hartmannsdorf 
©2025 BrigPic, Taufstein vor der Kirche in Markt Hartmannsdorf 
Taufstein mit Deckel in Markt Hartmannsdorf. Im Hintergrund die Gedenktafeln an die Gefallenen der beiden Weltkriege
Im gleichen Zeitraum entstand in Windisch Hartmannsdorf der Johannes-Nepomuk-Bildstock, der auf einem am Melbenweg gelegenen Vorplatz an einer Mauer, welche eine Abgrenzung zum Pfarrhof hin bildete, errichtet wurde. Dahinter eine Grube auszuheben, wurde als Lösung zur Entsorgung des Monoliten erkannt, da der Abtransport eines derart massiven Teils mit Schwierigkeiten verbunden war.
Die Entfernung des Taufsteins könnte aber auch einen anderen Grund haben! Als wesentliches Element im römisch-katholischen Ritus war der Taufstein auch physisch ein zentraler Bestandteil in Gotteshäusern. Schon aus dieser Bedeutsamkeit heraus könnte ein Zusammenhang zu den Zaubereiprozessen in Feldbach bestehen, die zwischen 1673 bis 1675 stattfanden, also rund 50 Jahre vor der Renovierung der Kirche. Während dieser „Hexenverfolgung“ fiel auch ein ehemaliger Hartmannsdorfer Pfarrer in Ungnade. Das hatte zur Folge, dass alle Taufen, die er gespendet hatte, für ungültig erklärt wurden. Der Taufstein war nun Kinder wurden alle in diesem Taufbecken getauft, und so könnte man meinen, dass mit dem zu jener Zeit noch tief verwurzelten Aberglaubendiesem womöglich genügend negative Energie zugeschrieben wurde, um ihn entfernen zu lassen.
[1] Spätmittelalter: ca. 1250-1500. [2] Aufklärung: 1720-1790. [3] Spätbarock: ca 1700-1730, Rokoko ca. 1730-1760/1770, wobei das Spätbarock vor allem im süddeutschen Raum oft über den gesamten Zeitraum als Rokoko gleichgesetzt wird.